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Kreuzwege des Schluckenauer Zipfels aus der Sicht des Gartenund Geländearchitekten

Brtníky (Zeidler) - Blick zur Dreifaltigkeitskapelle © Jiří Stejskal

Das Gebiet ist von der leicht gewellten Schluckenauer Hügellandschaft gestaltet. Der geologische Untergrund besteht aus Granit, der durch Deckenergüsse (Basalte, Kieselschiefer) durchsetzt ist, die Hügel mit Felsaustritten an Ihren Gipfeln bilden und damit an den biblischen Berg Golgatha erinnern (z. B. Kreuzweg in Šluknov-Schluckenau). In einer reizvollen harmonischen Landschaft, durchdrungen von Bächlein und Weihern wechseln Wälder mit einem bunten Mosaik von Wiesen, Weiden und Feldern. So entstand in der Landschaft eine ideale barocke Bühnenkulisse für Gestalter kleiner sakraler Bauwerke.
Die Kreuzwege in der Region befinden sich in der Höhe von 330–563 m ü.d.M. Beim Begehen mussten die Pilger eine Überhöhung zwischen 0–60 m üverwinden. Bei Gründungen von Kreuzwegen wurde eine visuelle Verbindung zur nächststehenden Kirche und eine weite Aussicht in die Landschaft eingehalten. Sie wurden bis zu 1 km von der Kirche erbaut oder schlossen unmittelbar an die Kirche an (z. B. Jiříkov-Georgswalde, Staré Křečany / Altehrenberg, Fukov / Fugau, Jáchym / Joachimsberg).
Die Kreuzwege sind so orientiert, dass sich die Gläubigen beim Herumgehen von West nach Ost bewegen. Symbolisch bewegt man sich aus der Finsternis zum Licht und vom Tod zum Leben. Sie sind überwiegend an sonnigen S, SW, W oder O Berglehnen situiert.
Im Schluckenauer Zipfel begegnet man öffters Kreuzwegstationen im klassizistischem Stil mit einem Satteldächlein (als Vorbild diente Šluknov /Schluckenau). Weniger üblich ist der Typ mit einem barocken Bogendächlein (Vilémov / Wölmsdorf und Annaberg). Ausnahme bilden Kreuzwegstationen im Rokokostil in Jiřetín pod Jedlovou (St. Georgental) und neugotische Kreuzwegstationen in Varnsdorf (Warnsdorf). Einzelne Stationen sind zwischen 2,1 und 3,6 m hoch und bestehen aus leicht bearbeitbarem Sandstein. Lediglich in Království (Königswalde) wurde Granit und in Varnsdorf (Warnsdorf) Kunststein verwendet. Bei den ältesten Kreuzwegen (Šluknov-Schluckenau und teilweise Vilémov / Wölmsdorf) sind die einzelnen Stationen nicht in regemäßigen Abständen errichtet, sondern unregelmäßig nach Geländegliederung. Im 19. Jahrhundert wurden die Stationen in regelmäßigen Abständen von 10 bis 20m voneinander errichtet.
Bestandteil einiger Kreuzwege sind gemauerte Kapellen des Letzten Abendmahls, der Kreuzigung und des Heiligen Grabes. Manchmal sind in Kreuzwege auch Grotten – künstliche Höhlen aus Basaltstein mit Heiligenstatuen (Šluknov / Schluckenau und Království / Königswalde) mit eingebaut. Eine festgelegte Komposition hat nach Vorbild des Kreuzweges in Šluknov (Schluckenau) der Gethsemane-Garten. Im Vordergrund sind 3 schlafende Apostel (Jacobus, Petrus und Johannes) und dahinter der kniehende und zum Engel emporblickende Christus.
Beim Kreuzweg in Vilémov (Wölmsdorf) befindet sich eine Heilquelle. Woanders wurde sie durch ein Gefäß mit „heiligem“ Wasser ersetzt (Annaberg, Království / Königswalde). Zur Rast der Pilger und zum Anhören der Predigt dienten vereinzelte Rasenstufen am Hang neben der Kirche in Vilémov (Wölmsdorf).
Einzelne Kreuzwegstationen wurden durch Pflanzungen von Baumarten hervorgehoben; z. B. Winterlinde, Sommerlinde und Europalinde. Beliebt waren sie hauptsächlich für ihr langsames Wachstum. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch Lärchen, Silbertannen, Roßkastanien und Akazienbäume gepflanzt. Der Gethsemane-Garten wurde mit immergrünen Pflanzen (Efeu, Immergrün) bedeckt, die die Unsterblichkeit Christi symbolisieren.

Texte: Iva Jaburková
Übersetzung: Rudolf Breuer
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